Peter Stamm: Sieben Jahre
Schon vor ein paar Monaten fand das neue Buch von Peter Stamm -Sieben Jahre- seinen Weg zu mir, und zwar in Form eines Vorabexemplars für den Buchhandel. Warum habe ich mich dafür entschieden, habe ich mich beim Lesen oft gefragt, denn von Anfang an fühlte ich mich unangenehm berührt durch die Hauptperson Alex, dem Mann zwischen zwei so unterschiedlichen Frauen. Der Roman ist übrigens in Ich-Perspektive geschrieben. Es lag wohl daran, daß es sich um deutschsprachige Gegenwartsliteratur handelt, für die ich eigentlich immer zu haben bin.
Dieses Buch ist ganz interessant zu lesen, die Perspektive des Autors bleibt immer bei dem Helden, oder eher Antihelden Alex, einem Architekten mit äußerlich perfektem Leben-toller Job, Frau und Kind, alles perfekt, und doch kann man sich nicht wirklich mit ihm anfreunden, denn seine Beziehungen bleiben unlebendig, konstruiert und lieblos.Die Rahmenhandlung führt dazu, daß Alex einer Bekannten die Geschichte seiner beiden Beziehungen erzählt. Etwas verwirrend muten die Zeitsprünge im Roman an, die aber dafür sorgen, dem Leser vor Augen zu führen, wie alles anfing- mit der perfekten Frau, aber zuvor mit der gänzlich unperfekten, die dennoch eine fast magische Anziehungskraft auf ihn ausübt. Dieses Kennenlernen ist so distanziert geschrieben, daß man es als Frau, und anders kann ich es nunmal nicht empfinden, sogar richtig widerwärtig empfinden muss, zumal man den Helden schließlich im Bett der Dame wiedertrifft.
Zu allem Unglück ist Iwona nicht nur äußerlich angeblich total reizlos, sondern auch noch eine polnischstämmige Buchhändlerin. Sehr ungeschickt,Herr Stamm, die meisten Beschäftigten im Buchhandel sind nun einmal Frauen, die nun dieses Leseexemplar lesen, und sofort alle negativen Klischees über Buchhändlerinnen vorgesetzt bekommen: naiv, unansehnlich, unmodern und etwas dümmlich. Man fragt sich bald: Will der Autor sich an uns rächen?Haben wir ihn schlecht behandelt, indem wir zuwenige seiner Bücher verkauften? Denn es ist ja so: Wir und jeder andere Leser sehen sie mit den Augen von Alex, der kein wirkliches Gefühl für Iwona hat, sondern auf völlig unerklärliche Weise von ihr angezogen wird, daß er sogar sich selbst dafür verachtet. Als normal fühlender Mensch ist es schwer aushaltbar, das mitanzulesen, denn diese Frau liebt ihn wirklich, und auch das erscheint in der bedrückenden Athmosphäre absolut fehl am Platz.
Die zweite Frau in seinem Leben ist die überaus perfekte Sonja, die natürlich wunderschön und körperlich perfekt erscheint,intelligent und redegewandt, ebenfalls zunächst Architekturstudentin, dann Architektin-doch wirkliches Gefühl scheint sich auch hier nicht bei Alex zu entwickeln. Sie ist zu perfekt, Iwona zu unperfekt…Einfach deprimierend. Trotzdem bricht Alex zunächst den Kontakt zu Iwona ab, beginnt ein perfektes Leben mit der perfekten Sonja und will eine Familie gründen.
Doch die andere fehlt ihm, und nach sieben Jahren kommt es zum Wiedersehen. Iwona setzt alle Hoffnungen auf ihn, wird schwanger, und es kommt alles noch schlimmer, als man sich je ausgemalt hat.

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