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“Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß” von Hiromi Kawakami

8. Mai 2009 Seraphina 1 Kommentar

Dieses Mal habe ich mir ein ungewöhnliches Buch ausgesucht, aus sehr ungewöhnlichem Grund… Und das kam so: Meine Eltern sind seit ewigen Zeiten Mitglied in der Büchergilde, dem gewerkschaftsnahen Buchklub, wo man einmal im Vierteljahr verpflichtet ist, ein Buch zu kaufen, und die Bücher etwas günstiger als die Originalausgaben der Verlage in gebundener Form erhältlich sind. Meistens darf ich ein Buch aussuchen, da mein Vater mittlerweile keine Bücher mehr liest, sondern am PC seine Freizeit verbringt.

Also stand ich mal wieder vor dem Büchergilde-Regal der Bochumer Buchhandlung und wusste nicht so recht, was ich wollte, da fiel mir ein wunderschöner hellblauer Leineneinband auf, mit weißer Schriftprägung und noch dazu einer schwarz-roten eingeprägten Illustration auf dem Deckel. Dann las ich den Titel: Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß….Eine Liebesgeschichte von Hiromi Kawakami. Nun ja, eine Liebesgeschichte war nun nicht das, was ich mir erhofft hatte, aber wie das so ist mit der Liebe, überfällt sie uns meistens ganz unverhofft.

Ich gab auf und kaufte das Buch.Dann las ich das Buch an einem trostlosen Wochenende, an dem ich mich aus Erschöpfung mit nichts anderem als mit Lesen beschäftigte, und war freudig überrascht!

Eine Liebesgeschichte?Tsukiko trifft zufällig in einer Bar ihrem alten Japanischlehrer, er ist im Ruhestand, ein wenig schrullig, mit seltsamer Sammelleidenschaft, und sie Ende dreißig, ohne dem richtigen Mann bereits begegnet zu sein…Hier kommt auch das Motiv des Essens, das sich durchs ganze Buch zieht,zum Tragen:Es fällt ihr auf, daß er die gleichen kleinen Speisen in der Bar bestellt, die sie selbst mag, und so freunden sie sich an und trinken gemeinsam ihren Sake. Für uns Europäer klingen die Kunstwerke der japanischen Küche sehr fremdartig, ich kann mir unter den meisten gar nichts vorstellen, aber zum Glück gibt es ein kleines Glossar, das etwas Licht ins Dunkel bringt. Sushi-Liebhaber erkennen sicherlich manches wieder, für mich ist das noch immer fremdartig.

Ihre Begegnungen bleiben zunächst zufällig, dann gibt es recht seltsame Verabredungen, zum Beispiel zum Pilzesammeln oder zum Besuch auf einer Art Trödelmarkt. Doch es bleibt eine Distanz-man weiß nicht so recht, was die beiden wirklich verbindet-ist es nur ihr Hang zur Eigenbrötelei?Zudem nennt Tsukiko ihren alten Lehrer noch immer “Sensei”, so wie die Schüler ihre Lehrer in Japan eben anreden. Auch ein Streit anlässlich einer Baseballübertragung im Fernsehen ihres Stammlokals bleibt unverständlich, doch zumindest ist jetzt eine Art negative Emotionalität zu spüren.

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