Kein DSL, (k)ein Problem!
Zur Zeit bin ich in einer Gegend mit vielen Dörfern. Dort gibt es wenn überhaupt nur in bestimmten Dorfgegenden DSL mit rund 1500kbit oder auch mal nur “DSL Light” mit 386kbit.

Was also tun wenn man keinen Internet-Breitbandanschluss zuhause bekommt?
Für die vielen Computer- und Technikbegeisterten unter euch warscheinlich eine einfache Frage, doch es gibt verschiedene Mittel und Wege, und viele wissen es eben nicht.
Hartnäckig bleiben:
Die Technik entwickelt sich, der Ausbau geht vorran: Drannbleiben. Regelmässig anfragen, Alternativen suchen und auch mal bei anderen providern anfragen. Zwar bauen die meisten auf den Anschluss der Telekom auf, aber manchmal sind diese Anbieter etwas “Tolleranter” was die Qualität der Leitung anbelangt. Lieber langsamer als garnicht.

Ob die Vorab-Verfügbarkeitsprüfung des anderen Anbieters aber vielleicht auch nur zuviel versprochen hat sei danhin gestellt, ganz nach dem Motto: Ersteinmal unterschreiben, eine Absage können wir immer noch erteilen.
Auch kann man sich nach negativem Test nach “DSL Light” erkundigen;

Dies ist zwar nur ein Bruchteil so schnell wie heutzutage übliches DSL, aber immer noch besser als die meisten anderen Techniken.
Zudem gibt es bei Kein-DSL.de eine Übersicht von Alternativen und ein Forum in dem man sich ggf. Leute aus der Region suchen kann um das Problem gemeinsam anzugehen.
Der Weg über die Telefonleitung oder ISDN:
Diese Lösung ist selbst mit Kanalbündelung im Zeitalter von Megapixelbilder und Internetauktionsseiten im Megabytebereich langsam und macht produktives Arbeiten nahezu unmöglich, sei es wenn man mehrere Seiten zwecks Produkt- und Preisrecherche gleichzeitig öffnet oder Videoportale besucht.
Zudem ist diese Lösung mitunter die teuerste:

Die Telekom berechnet für Ihre Analogflatrate rund 70 Euro. Bei Arcor ist diese zwar weitaus günstiger, jedoch je nach Onlinezeit wird hier der Preis erhöht.
Ärgerlich, wenn man bedenkt dass man bei GMX/1&1 und anderen Discountern die DSL-Flatrate für 18-22 Euro bekommt, und zwar inklusive Telefonanschluss.
Regionale Lösungen
Kommerzielle WLAN-Hotspots, WiMo-Funk, Internet über die Stromleitung, Glasfaser und allerlei andere Techniken werden in einigen Regionen angeboten; Oder es bestehen schon Regionale Privatiniatitiven.

Bei Kein-DSL.de oder Onlinekosten.de kann man sich informieren. Auch der Blick auf die Internetseiten und Foren der eigenen Region kann ggf. Aufschlussreich sein.
Digitales Kabel

Ob bei Kabel-Deutschland (bspw. 10 Euro für 1000kbit(1Mbit), ironischerweise nur online buchbar) oder anderen Kabelnetzbetreibern, auch dort kann man günstig ins Netz. Leider sind die digitalen Anschlüsse ähnlich wie DSL oftmals nur in der Stadt verfügbar. Zudem sind meist schon andere auf den Draht gekommen sich Internet via Kabel zu holen, und alle Teilen sich die Bandbrreite an einem Knotenpunkt. Zwar verprechen neue Techniken Besserung und effizienteres Bandbreitenteilen, aber das Umhören im Dorf bezüglich der Performance könnte nicht schaden.
Nachbarschaftshilfe & WLAN
Hat man einen guten Bekannten oder Familie im selben Ort die beispielsweise an der Hauptstraße wohnen und DSL haben, empfiehlt es sich zwischen den Gebäuden mit WLAN eine Funkstrecke einzurichten.
Vallstedt Networks ist ein gutes Beispiel, dort wurden Antennen aus Butterdosen und Co. an die Häuser gehängt um ein Dorf zu vernetzen.
DSL ist in der Regel schnell genug um mehrere Computer mit Internet zu versorgen, solange man nicht ständig paralell mit anderen Youtubevideos ansieht und Filesharing betreibt. So haben wir 8 Computer an einem (fast) DSL 2000er Anschluss, 4 in einem Haus, 4 in einem Anderen.

Entsprechende Antennen gibt es neben der Selbstbauvariante ab 10-15 Euro (zB. Brennpunkt-SRL), und WLAN-Router/Repeater/APs ab 10-20 Euro, sei es von
Wer sich mit der Technik nicht auskennt sollte sich mal Bernd’s Forum (Vallstedt Networks) ansehen.
WLAN ist leider relativ unpraktisch sofern man es ausserhalb des Hauses einsetzt: -2,4 GHz, bekannt aus Mikrowelle und Elektronik, durchdringt Gegenstände und Regen nur schlecht.
-100mW Sendeleistung (EIRP) ist verglichen mit Handies recht wenig
Deshalb sollte die Verbindung bei guten Bediungen stabil sein, so dass Regen, Schnee, Verkehr und Bäume nicht je nach Witterung, Jahreszeit und Betrieb sporadische Aussetzer vorursachen.
Mit Richtfunkantennen kann man zwar mehrere Killometer zum Nachbadorf überbrücken (beispielsweise mit einer Biquadantenne und einer Satellitenschüssel), aber freie Sicht ist von Vorteil, wenn nicht gar Grundvorraussetzung. Ein paar Häuser lassen sich aber meist auch so überbrücken.
Mit Flachkabeln zum im Fenster einklemmen ist auch kein Bohren nötig, allerdings dämpfen diese den Empfang enorm. Grundsätzlich gilt: Router so dicht an die Antenne wie möglich!
Problematisch ist die maximal erlaubte Sendeleistung: Hier macht man sich im Prinzip schnell strafbar!

Zwar passiert hier in der Regel nichts, aber man kann auch legal recht gute Aussenstrecken realisieren:
Wenn beide Parteieen Richtfunkantennen haben, ist deren Empfang auch besser, so dass man mit reduzierter Sendeleistung auskommt.
Tipp: Im selten eingesetzten 5 GHz-WLAN sind bei Aussenstrecken je nach Kanalbereich bis zu 1 Watt Sendeleistung erlaubt. Trotz der teureren Hardware und hohen Frequenz (Stichwort Dämpfung) lohnt es sich eventuell.
Internet via Handy
In vielen Orten gibt es bereits UMTS mit rund 0,4 Mbit (400kbit). Immer mehr Regionen werden auch mit HSDPA versorgt, dass 3,6 Mbit liefert; Demnächst sogar 7,2 oder gar 22 Mbit.

O2 bietet nun für gerade einmal 10 Euro eine “Flatrate” die jedoch nach 5 GB Datenvolumen auf das langsamere GPRS (Modemniveau, 0.06 Mbit) heruntergedrosselt wird. Tchibo (ebenfalls im o2 Netz) bietet noch 10 GB für rund 20 Euro Prepaid. Zudem ein 500 MB Pack für Wenignutzer für die Hälfte.
Sehr günstig ist der USB-Stick im Set mit einem Monat Flatrate: 50 Euro in den Fillialen oder online.

Bei Simyo und Blau (e+) gibt es 1GB für 10 Euro, und bei Blau für 20 Euro eine Flatrate die noch nicht gedrosselt wird, ebenfalls prepaid.
Allerdings: E+ bietet derzeit meist nur UMTS, und nicht das schnellere HSDPA.
Telekom und Vodafon bieten Flatrates nach den ersten Monaten in den Billigmarken ab etwa 30-40 Euro im Monat an, aber auch fast überall EDGE (ca. 0,24 Mbit). Diese Technik ermöglicht ohne UMTS schnelleren Internetzungang.
Auch für UMTS gibt es Richtantennen, zB. ebenfalls bei (zB. Brennpunkt-SRL. So kann man eventuell auch auf einem Dorf UMTS nutzen, wo es eigentlich nicht geht.
Wie bei WLAN ist auch hier die Frequenz relativ hoch, so dass sich freies Terrain, eventuell sogar Sichtkontakt zum Sendemast empfiehlt.
UMTS Netzabdeckung/Verfügbarkeit:
e+
o2
Für Zuhause empfiehlt sich dann noch ein UMTS-Router oder ein PC der diese Aufgabe übernimmt.
Internet via Satellit: 1- und 2-Wege-Technik
Nicht nur für den Campingwagen und Schiffe interessant: Internet via Sat.
Zwar aufgrund der Drosselung nicht für Tauschbörsen- und Downloadnutzer geeignet, aber dennoch schneller als analoges “Modem-Internet” und überall dort möglich, wo man in den Himmel blicken kann.
Zwei- oder Einwege-Technik?

Sat-Internet mit Hin- und Rückkanal ist meist kostspieliger. Zwar gibt es bei zweijähriger Vorrauszahlung (!) den güntigsten Tarif mit geringer Bandbreite schon ab rund 20 Euro im Monat, doch die Hardware ist weitaus kostspieliger, und eine genauere Ausrichtung ist erforderlich.
Je nach Anbieter kosten die Geräte samt Schüssel schonmal 300-400 Euro, und auch gebraucht sind die Sets noch sehr teuer.
Mietet man die Geräte steigt der Monatspreis auch schon fast aufs doppelte- wenn nicht mehr.
Wer nur eine halbwegs schnellere und pauschale Internetverbindung sucht, sollte sich mit der veralteten Einweg-Technik auseinandersetzen, auch wenn diese natürlich einen Kanal über Modem oder Handy benötigt und wohl langfristig gesehen nicht mehr lange verfügbar sein dürfte.
Trotzdem: NGI beispielsweise bietet einen 256k-Tarif, immerhin 4 mal so schnell wie ISDN und fast schon auf UMTS-Niveau, für gerade einmal 16 Euro im Monat an.
Da auf den meisten Orten zumindest ein Handynetz soweit empfangbar ist um GPRS-Datenverbindungen zu nutzen kann man bspw. bei Simyo (e+), Tchibo (o2) oder O2 für 5-10 Euro ein Datenpaket buchen um es als zweiten Kanal einzusetzen. Da man in der Regel mehr Daten über Sat empfängt als via Handy sendet ist dies vollkommen ausreichend, und so kostet alles zusammen gerade einmal 21-26 Euro im Monat… und auch die Hardware ist relativ günstig:
Hardware
Satschüssel:
Eine etwas größere 85cm Schüssel ist von Vorteil. Die für den Fernsehempfang üblichen 65cm Schüssel reichen unter umständen bei schlechtem Wetter nicht aus um eine gute Verbindung zu ermöglichen, und mit 10-20 Euro ist man dabei.
Bei Ebay oder eg-sat.
LNB/Antenne:
Einen passenden universal LNB (Antenne) für die Schüssel gibt es im Internet ebenfalls für 3-5 Euro. Sowohl diesen als auch die Schüssel erhält man meist auch günstig bei ebay und co, oftmals auch in der Region oder in der Zeitung.
“Modem”:
Viele Sat-Fernsehkarten für 15-25 Euro bei Ebay für den PC können hier benutzt werden. Bei NGI und den anderen Satbetreibern findet man eine Liste von unterstützten Geräten.
Achtung: Manche laufen nicht unter Windows Vista! Sat-Modem-Boxen sind ggf. untauglich da sie nicht den Rückkanal via Handy unterstützen.
Kabel, Fensterunterführungen:
Achtung: Lange Kabel machen den Empfangsgewinn einer Antenne schnell zu nichte. Auch Fenster-Flachkabel die einem das Bohren ersparen haben eine hohe Signaldämpfung. Sollte die Antenne weit weg vom PC stehen empfielt es sich ggf. einen alten oder stromsparenden PC als “Zwischenstation” zu verwenden.
Die Kabel ein paar Euro sofern man nicht in ein sogenanntes Fachgeschäft mit Aphotekenpreisen geht. Selbst bei Woolworth sah ich recht günstiges Zubehör, beispielsweise ein Fensterunterführungsflachkabel für 1,99.
Software: Gibt es beim Provider und dem Kartenhersteller.
Die Satschüssel ausrichten:
Dies dürften viele sicherlich noch nicht gemacht haben, und dieses Thema dürfte auch zu komplex für diesen Beitrag sein.
Deshalb hier ein paar nützliche Links, um zu errechnen wie die Schüssel je nach Wohnort ausgerichtet werden muss.
Satzenrale, Azimut/Ausrichtung
“Gewuerzshop”; Ausrichtung, Infos
Satlex
Je nach Satelit kann eine Multifeed-Halterung an die Schüssel montiert werden, so dass nur eine Satschüssel nötig ist. Viele Satelliten für den Internetzugang sind jedoch nicht in die selbe (Himmels-)Richtung wie die, über die das Fernsehprogramm kommt, so dass man meist zwei Schüsseln benötigt.
Schlusswort
Dies sind die gängigsten Wege aus der Internetlosigkeit. Tendenziell hat UMTS und HSDPA die größten Chancen zumindest ausserhalb der Ballungsgebiete eine schnelle und günstige DSL-Alternative zu werden- sofern das Sendemastennetz weiter ausgebaut wird.
Der Autor dieses Beitrages entschuldigt sich für die schlechte Qualität der Grafiken. Mangels Grafiktablettstift war er genötigt mit seiner Maus zu zeichnen.

Ein sehr ausführlicher und interessanter Artikel. Danke