Judith Hermann: Alice
Endlich ein neues Buch von Judith Hermann, das musste ich einfach haben! Wie schon in “Nichts als Gespenster” gibt es 5 Geschichten in diesem Buch, die doch zusammengehören durch ihre Hauptperson Alice.
Das Thema ist jeweils der Tod eines mehr oder weniger nahestehenden Menschen aus ihrem Leben. Aber das Interessante an ihren Geschichten ist ihre Sprache, die einerseits sehr distanziert scheint, aber nur, um all die Gefühle dahinter zu verbergen, die die Hauptperson angesichts der erschütternden Ereignisse natürlicherweise hat.
Es ist auch nicht nur der Tod, sondern das Erlebnis des Sterbens, was so erschüttert: Zum Beispiel in der Geschichte, in der ein Ex-Geliebter im Sterben liegt, und er abwechselnd von seiner Frau, die mit Kleinkind angereist ist, und der ehemaligen Geliebten besucht wird. Zusammen wohnen sie die Zeit über in einer Ferienwohnung, dann in einer größeren, aber selbst diese Umgebung ist einerseits feinfühlig detailgenau beschrieben, daß es Spaß macht, es zu lesen, aber gleichzeitig wird die bedrückende Athmosphäre noch plastischer. Dadurch fühlt man sich so sehr in die Situationen ein, daß man Zugang bekommt zum selbst Erlebten, wenn man wusste, jemand wird nicht mehr lange bei uns sein können, zu der bedrohlichen Anspannung, die einen befallen kann, wenn man hilflos erleben muss, daß ein Leben zu Ende geht. Und doch ist es am Ende wie eine Erleichterung, wenn derjenige die irdische Welt verlassen hat.
Nicht so jedoch in der letzten Geschichte-da bleibt das Sterben selbst außen vor. Jemand scheint plötzlich gegangen zu sein, und das nicht in ein anderes Zimmer, sondern aus diesem Leben. Zurück bleiben Dinge, an denen Erinnerungen hängen, Kleidungsstücke, sogar eine Jacke des geliebten Menschen, in der noch eine Gebäcktüte mit einem vergessenen Rest steckt…Sie erinnert sich an den Spaziergang, von dem dieser Rest übrigblieb, und man wagt kaum zu atmen, weil man sich insgeheim fürchtet vor so einem Moment, in dem man selbst solch ein Erinnerungsstück finden wird. Und das wird uns allen mal so gehen, und wir alle werden einmal etwas zurücklassen, was so einen Moment bei den Dagebliebenen auslösen wird.
Wir wissen alle, wie schnell das Leben vorbei sein kann, und deshalb ist dieses schöne, traurige Buch ein notwendiges…Nutzen wir die Zeit, die uns noch bleibt, um schöne Momente zu haben, solange es uns möglich ist, und die Liebe besteht über den Tod hinaus, das sind die Spuren, die in mir zurückbleiben, nachdem ich dieses Buch gelesen habe.
Judith Hermann: Alice erschienen im Verlag S.Fischer, 18,95€

ich hab’ leider weder zeit zum bücher lesen, noch beschreiben. . .
Aber die letzten gelesenen waren von Janwillem van de Wetering bei rororo ’95 und ’97 veröffentlicht
»der feind aus alten tagen« die handlung war noch in holland und »de gier im zwielicht« holland und USA, maine
auch der autor war holländer, dann im japanischen zen kloster, dann polizist in holland, und hat seinen lebensabend in maine verbracht
Artikel beim Spiegel dazu:
http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,565066,00.html
Mir fehlt auch oft die Zeit, aber wenn ich etwas wirklich lesen will, nutze ich sozusagen jede Sekunde…;)
Ich fände es schön, wenn noch jemand mal eine Buchbesprechung schreibt, nur Mut!
Achje; Bücher lesen. Das mach ich eher im Winter, jetzt im Sommer fehlt mir die Motivation dafür. Die Vorstellung oben hört sich aber wieder einmal lesenswert an!
Scheint ein gutes Buch zu sein… Vielleicht sollte ich al wieder eins zur Hand nehen, würde ich hier anbieten…